Krankengymnastik nach dem Bobath-Konzept

Das Bobath-Konzept beruht auf der Annahme, dass intakte Gehirnregionen die Aufgaben zerstörter oder kranker Regionen ausführen und neu erlernen können. Durch ständiges Wiederholen werden Bewegungssequenzen in der Praxis wieder antrainiert.

Nach dem Bobath-Prinzip werden Kinder und Erwachsene mit einer Störung des zentralen Nervensystems behandelt. Bei Erwachsenen kommt diese Therapie meist nach einem Schlaganfall mit Lähmungserscheinungen zum Einsatz, um die Bewegungsabfolgen und -übergänge sowie Gleichgewichtsreaktionen zu verbessern. Durch die gezielte Behandlungstechnik wird die Körperwahrnehmung erhöht und die Bewältigung des Alltags für Patienten einfacher. Selbstständigkeit als auch eine deutlich gesteigerte Lebensqualität bei täglichen Verrichtungen sind die Folge.

Kinder erhalten das Heilverfahren nach Bobath häufig bei Entwicklungsverzögerungen. Dazu zählt die altersgerechte Motivation durch Bewegungserfahrungen und -anreize, die das motorische Lernen optimieren. Kinder mit Koordinations- Bewegungs- und Wahrnehmungsstörungen wird auf diese Weise zu einem idealen Entwicklungsprozess verholfen. Selbst mehrfach- und schwerstbehinderte Erwachsene oder Kinder können mit der Bobath-Therapie wesentliche Fortschritte erzielen. In diesen Fällen geht es vorwiegend darum, Bewegungsübergänge und Bewegungen besser zu ermöglichen sowie die Vitalfunktionen zu erhalten. Besondere Aufmerksamkeit erhalten individuelle Einschränkungen.

Behandlungsziele
Verbesserung und Förderung der Fein- und Grobmotorik
Regulierung des Muskeltonus
Vermeidung von Kontrakturen
Erhöhte Koordinationsfähigkeit
Förderung der Sensomotorik und Motorik
Die Anwendung findet unter jedem Gesundheitsaspekt statt, egal wie schwerwiegend die Nervenschädigung tatsächlich ist. Alles, was dem Patienten dabei hilft, seine normalen Verhaltensgewohnheiten wiederzugewinnen, kann Bestandteil im Behandlungskonzept werden. In der Praxis finden drei Behandlungstechniken bei der Bobath-Therapie Ihre Anwendung. Stimulation, Inhibition und Fazilitation gehen je nach Behandlungsschwerpunkt ineinander über – sie beeinflussen unterschiedliche Sinne und Wahrnehmungen.

Krankheitsbilder
Eine Behandlung nach den Grundlehren von Bobath ist der problemlösende Ansatz für Patienten mit fehlender Bewegungs- und Haltungskontrolle als auch Störungen von Funktionen durch eine Läsion im zentralen Nervensystem. Folgende Krankheitsbilder betreffen diese Behandlungsmethode:

ALS Parkinson
Hirntumore (Meningeome, Astrozytome, Oligodendrogliome)
Multiple Sklerose (MS)
Schlaganfall, Hirninfarkt, Hirnschlag
Querschnittssyndrome
Schädel-Hirn-Traumata
Entwicklungsstörungen und Verzögerungen
genetische Veränderungen im Nervensystem
hypoxische Hirnschädigung
Das Bobath-Konzept gilt in der physiotherapeutischen Verfahren als eines der erfolgreichsten Muster in der Betreuung und Therapie von Patienten mit zerebraler Bewegungseinschränkung. Durch die konsequente Anwendung kommt es zur Prävention von Schmerzen, die ehemalige Eigenständigkeit wird zurückgewonnen und das Zusammenspiel von gelähmter und gesunder Seite verbessert.

Im Gegensatz zu anderen Therapieformen gibt es bei Bobath keine vorgefertigten Listen mit definierten Übungen, sondern die Methode unterliegt einer permanenten Weiterentwicklung mit dem betroffenen Patienten selbst. Allerdings dürfen nur wissenschaftlich bewiesene Verfahren in der therapeutischen Anwendung hinzugefügt werden. Die Alltagsbezogenheit für den Betroffenen übernehmen eine zentrale Rolle. Durch Einbeziehung des Alters und der neurologischen Fundierung profitiert die Bobath-Therapieform von der Veränderlichkeit und Ganzheitlichkeit gegenüber dem Hilfesuchenden. Je nach Art der Reaktion auf passive Bewegungen durch den Therapeuten ist eine Effizienzbewertung der Methode vorgesehen.

Das Bobath-Konzept wird speziell bei Menschen angewendet, die an Läsionen des ersten motorischen Neurons leiden. Alle Übungen basieren auf der konzeptspezifischen Befunderhebung sowie dem Verfahren, Störungen im Bereich Bewegung, Tonus und Funktion zu lösen. Besonders bewährt hat sich in diesem Zusammenhang die Anwendung bei spastischen und schlaffen Hemiporesen.